Akku-Mythen - Tipps zur Handhabung und Pflege, Antworten und Aufklärung von hartnäckigen Gerüchten

Akkus nutzen wir heute in vielen Alltagsgegenständen wie Smartphones, Tablets oder Notebooks und es kreisen viele Mythen, hartnäckige Vorurteile und Fragen um den wiederaufladbaren Energiespeicher umher, welche wir in diesem Artikel einmal nachgehen werden. Warum schalten sich Smartphones bei Kälte ab? Sind NoName-Akkus wirklich schlechter als originale Hersteller-Produkte? Soll ich Akkus vollständig auf- und entladen oder besser die Akkukapazität zwischen 30 und 70% aufrecht erhalten?

Akkupflege Logo

Wir wollen an dieser Stelle keine Grundsatzdiskussion starten oder tief in die Technik einsteigen, sondern schlicht Antworten auf bestimmte Fragen geben bzw. einige wirklich sinnlose Vorurteile auflösen.

Kälte - Warum schalten sich Smartphones bei Minus-Temperaturen ab?

Im Skiurlaub ist es passiert: man möchte ein Foto dieser traumhaften Kulisse inklusive Alpen im Hintergrund fotografieren, zückt das Smartphone aus der Ski-Jacke und bevor die Kamera-App richtig gestartet ist, fährt Android einfach herunter. Und das obwohl der Akku noch kurz zuvor 30% Ladestatus angezeigt hatte und bei diesem Smartphone zuvor noch nie Probleme mit dem Akku aufgetreten sind. Schaltet man das Smartphone im warmen Hotel wieder ein, funktioniert es tadellos und der Akku ist ähnlich gefüllt wie zuvor, ohne dass es zwischenzeitlich an der Steckdose war. Irgendjemand möchte uns doch ärgern, oder nicht?

Die Kälte ist in den meisten Fällen die Ursache, aber was ist genau passiert? Lithium-Ionen-Akkus bestehen aus einer gelartigen Masse, deren optimale Betriebstemperatur zwischen 15 und 35°C liegt. Durch die niedrigen Temperaturen, die unterhalb 0°C und somit deutlich außerhalb der empfohlenen Betriebstemperatur liegen, schafft es der Akku einfach nicht mehr, die geforderte Spannung aufrecht zu erhalten. Fällt die Spannung unterhalb von 3 Volt, fährt das Smartphone bzw. das Betriebssystem (Android, iOS) das System herunter, da ein stabiler Betrieb nicht mehr möglich ist und um eventuelle Schäden zu vermeiden. Das Betriebssystem startet eine Art Notprogramm.

Grenzwerte der Spannung bei einem Smartphone
SpannungZustand
4,2 - 4,3 VoltAkku ist voll geladen
3,7 VoltNennladung: typische, durchschnittliche Spannung
3,0 VoltMinimale Spannung. Akku ist (fast) leer
weniger als 3 VoltSmartphone wird herunter gefahren

Der ein oder andere wird sich nun fragen, warum das Smartphone ausgerechnet dann heruntergefahren wird, wenn es eingeschaltet und die Kamera-App gestartet wird. Auch hier eine simple Antwort: durch das Einschalten wird eine höhere Last erzeugt (Ruhemodus wird beendet, Bildschirm ist aktiv, Prozessorlast durch Starten der Kamera-App), so dass der Akku stark belastet wird und die bereits durch die Umgebungstemperaturen niedrige Spannung nochmals sinkt. Im Ruhemodus konnte der Akku die "magische" 3 Volt Grenze noch halten, mit der zusätzlichen Lastspitze aber nicht mehr.

Video: Akkus in extremer Höhe und Kälte


360°C Aufnahmen auf dem Mount Everest: laut dem Expeditions-Leiter war die extreme Kälte das Hauptproblem bei den Dreharbeiten, die den Akkus schwer zu schaffen machten.

Nachdem man sich wieder im wohlig warmen Hotel, vielleicht in der Nähe eines Kamins aufgehalten hat, stieg die Betriebstemperatur des Akkus wieder in den empfohlenen Bereich. Die Leistung war wieder vollständig verfügbar.

Dasselbe Prinzip kennt man beispielsweise von einer KFZ-Batterie. Hier lässt sich ebenfalls anhand der Spannung ableiten, wie voll die Batterie geladen ist. Mit zunehmender Entladung nimmt die Spannung ab. Bei ca. 12,65 Volt ist die Batterie vollständig geladen. Sie sollte aber nicht unter 11,90 Volt sinken, da man hier von einer (schädlichen) Tiefenentladung spricht.

Ladezustand KFZ-Batterie
SpannungZustand
12,65 VoltAkku 100% geladen
12,45 VoltAkku 75% geladen
12,25 VoltAkku 50% geladen
12,05 VoltAkku 25% geladen
weniger 11,90 VoltEntladen

Und Autofahrer kennen das Problem im Winter: die alte Auto-Batterie, die vielleicht im Sommer noch problemlos das Auto starten konnte, kann im Winter aufgrund der niedrigen Temperaturen keine ausreichende Spannung und Leistung aufbringen, so dass der Anlasser seinen Dienst quittiert. Das Auto springt nur sporadisch oder überhaupt nicht mehr an.

NoName-, Dritt-Hersteller- oder Original-Akku

Eine sehr schwierige Frage, da es sich oftmals um eine Glaubensfrage handelt, auf die es keine eindeutige Antwort gibt. Die einen befürworten die kostengünstigen Alternativen zu den meist recht teuren Original-Akkus des Herstellers, das andere Lager schwört auf deren besseren Leistung, Ausdauer und Sicherheit. Selbst die Stiftung Warentest bildet sich kein eindeutiges Urteil und wägt lediglich die Vorteile gegen die möglichen Risiken bzw. Nachteile ab. Und das ist auch die richtige Herangehensweise, die wir nun erläutern:

Original Hersteller-Akku

Wer auf Nummer sicher gehen möchte und wen der teure Aufpreis nicht tangiert, der darf gerne bei den originalen Akkus des Herstellers zugreifen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: die Akkus sind in der Regel für die Endgeräte optimiert und sollte einmal aufgrund des Akkus ein Schaden entstehen (bspw. durch einen Brand), so haftet der Gerätehersteller für den Schaden. In der Vergangenheit machten vor allem Smartphones Schlagzeilen von brennenden oder sogar explodierenden Akkus die Rede.

Diese Sicherheit fehlt bei Dritthersteller-Akkus: im Falle eines Defekts wird sich der Gerätehersteller tunlichst von jeglicher Schadensersatz-Forderung distanzieren. Aber nicht nur das Thema Sicherheit, sondern auch die Leistung und Langlebigkeit können als Nachteil für Nachbauten eintreten.

Dritthersteller-Akkus: auf die Qualität und den Anbieter kommt es an.

Wer bei Nicht-Hersteller-Akkus zuschlägt, der verfolgt in der Regel das Ziel, mindestens die gleiche Qualität zu einem günstigeren Preis zu erzielen. Und dieses Ziel ist erreichbar, wenn man den Preis nicht zu sehr in den Fokus setzt und man alternative Akkus im Fachhandel oder spezialisierte Online-Shops wie Akku.net erwirbt. Der neue Notebook-Akku beispielsweise kostet deutlich weniger als die Originalen des Herstellers, gleichzeitig garantiert Akku.net mit Sitz in Berlin eine hochwertige Qualität und hohe Sicherheitsrichtlinien. Sollte tatsächlich ein Schaden eintreten, hat man einen direkten Ansprechpartner, so dass summa summarum das Risiko eines Fehlkaufs sehr gering ist.

Der Kauf von Billig-Akkus ist nicht empfehlenswert
Bitte kein Billig-Produkte!
Beim Kauf von Dritthersteller-Akkus sollte auf vertrauensvolle Hersteller
bzw. qualitativ hochwertige Akkus gesetzt werden. NoName-Produkte wie
diese sind oftmals reine Überraschungstüten.

Abzuraten ist der Kauf von sehr günstigen China-Importen oder übertriebenen Leistungsdaten. In folgender Community hat ein Mitglied einen angeblich 6800 mAh AA Akku getestet, der letztendlich nur knapp 1100 mAh leistet. Beste AA Akkus besitzen eine maximale Kapazität von ca. 3500 mAh, so dass solche Angebote einfach nicht das leisten können, was die Verpackung verspricht. Das Problem ist leider, dass der Otto-Normal-Kunde keine Möglichkeit besitzt, um die tatsächliche Leistung zu messen, was dubiose Händler gerne ausnutzen.

Daher ein paar grundlegende Tipps:

  • Es gelten die Regeln der Börse, wo das Risiko mit der Rendite steigt. Je mehr Geld ich sparen möchte, desto höher das Risiko, einen Fehlkauf zu tätigen.
  • Akkus von Fachhändlern oder spezialisierten Online-Shops erwerben.
  • Alternativ nur Akkus von bekannten Herstellern (bspw. Bosch, Hama usw.) erwerben.
  • Keine Billig-China-Importe.

Akku-Pflege: wie lade ich Smartphone-, Tablet- und Notebook-Akkus richtig?

Bei der Akkupflege wird man schnell mit vielen Ratschlägen überhäuft. Man sollte diese gut gemeinten Ratschläge annehmen, aber auch nicht überbewerten. Moderne Lithium-Ionen-Akkus sind sehr robust und verlieren nicht sofort ihre Leistung, wenn man einmal den Akku tiefenentladen hat. Außerdem besitzen diese in der Regel eine integrierte Elektronik, welche die Lade- und Entladevorgänge steuern. So schaltet diese die Stromzufuhr ab, wenn der Akku vor einer Tiefenentladung steht, obwohl theoretisch noch Kapazität vorhanden ist.

Apple fokussiert sich beispielsweise bei der Akkupflege auf optimale Umgebungstemperaturen und das Vermeiden von Tiefenentladung bzw. 100% Aufladung. Den Rest erledigt die Software, sprich das Betriebssystem. Wir gehen trotzdem auf einige wichtige Aspekte bei der Akkupflege ein.

Grundsätzlich: Anzahl der Ladezyklen entscheidend

Die Haltbarkeit von Akkus wird in der Anzahl der Ladezyklen festgelegt, sprich wie häufig ein leerer Akku vollständig aufgeladen wird. Und hier kommt sofort der erste und wahrscheinlich auch wichtigste Ratschlag: die 30 - 80% Regel Ein Akku sollte nicht unter 30% entladen und nicht über 80% laden. Einerseits wird der durch das Entladen und Laden in Extrembereichen stark beansprucht, andererseits wird die Anzahl der Ladezyklen reduziert.

Weniger Ladezyklen durch 30-80% Regel
Wenn das Laden von 0 auf 100% einem Ladezyklus entspricht, so wird der Ladezyklus durch das Laden zwischen 30 und 80% auf 0,5 reduziert.

80% - 30% = 50% = 0,5 Ladezyklus

Soweit die Theorie. Wobei diese Rechnung nicht immer aufgeht, wenn man dadurch sein Smartphone öfters an die Steckdose anschließen muss. Die Vorteile durch Vermeiden der Extrembereiche überwiegt bei der 30-80-Regel.

Smartphone nur Laden, wenn es geladen werden soll

Wer sein Smartphone über Nacht lädt, der lässt es länger an der Steckdose als notwendig. Der Akku ist nach 1-3 Stunden vollständig geladen, die restliche Zeit ist der so genannte Erhaltungsstrom aka Netzbetrieb aktiv. Wie bereits erwähnt ist das Laden in Extrembereichen schädlich, andererseits bleibt der Erhaltungsstrom nur solange aktiv, bis der Ladezustand des Akkus unter eine bestimmte Schwelle schreitet. Dann wird dieser wieder auf 100% geladen und dementsprechend beansprucht.

Daher wird auch davon abgeraten, das Smartphone tagsüber am Stromnetz angeschlossen zu lassen, um immer und jederzeit auf einen vollständig geladenen Akku zurückgreifen zu können.

Tiefenentladung, Memory Effekt und Teilentladung

Die Tiefenentladung bleibt auch bei modernen Lithium-Ionen-Akkus ein böser Feind, der möglichst vermieden werden sollte. Was definitiv der Vergangenheit angehört, ist der so genannte Memory Effekt. Dieser Mythos kommt aus Zeiten der Nickel-Cadmium-Akkus, bei denen die Akku-Kapazität nur dem vorherigen Ladevorgang entspricht.

Memory Effekt bei Akkus

Beispiel: wurde der Akku nur bis 30% entladen und anschließend vollständig aufgeladen, so entspricht die Gesamtkapazität nur 70%. Der Akku verliert kontinuierlich an Kapazität. Um diesem Entgegenzuwirken muss man das tun, wovon wir in diesem Artikel abraten: den Akku tiefenentladen. Teilentladung ist der Feind von Nickel-Cadmium-Akkus, für Lithium-Ionen-Akkus die optimale Pflege.

Hochwertiges Ladegerät

Hochwertige Ladegeräte können den Ladeprozess intelligent steuern und somit den Akku weniger belasten. Wichtig dabei ist, dass die Netzteile die elektrische Last konstant halten und auch die entsprechende Leistung liefern, die sie versprechen. Die C't hat in einem ausführlichen Test 10 Smartphones mit 10 Netzteilen getestet. Die Unterschiede waren gravierend. Die Ladeleistung schwankte gravierend und teilweise konnten Smartphones überhaupt nicht geladen werden.

Video: Akkupflege bei RTL2

Ist QuickCharge (Schnellladefunktion) schädlich?

Die Schnellladefunktion wird oftmals mit einer erhöhten Spannung erreicht, um die bei USB-C maximalen 3 Ampere zu gewährleisten. Das Dadurch besteht die Gefahr, dass die Leistung des Akkus nachlässt. Auch die erhöhte Hitzeentwicklung bringt Gefahren mit sich und wie wir bereits erwähnt haben, sind extreme Temperaturen immer ein Problem.

Aus diesem Grund unterstützen nur moderne, dafür freigegebene Smartphones die QuickCharge Funktion. Alle anderen werden mit "normaler" Leistung betankt, so dass man QuickCharge bedenkenlos verwenden kann. Voraussetzung ist natürlich ein hochwertiger Akku, der QuickCharge unterstützt, so dass wir wieder auf den Punkt "Original- oder Dritt-Hersteller" zurückkommen. Man wird langfristig nur mit einm hochwertigen Akku Spaß haben.

Zusammenfassung

Das Thema Akkupflege ist ein breites und teilweise kompliziertes Themengebiet. Es gibt viele Ratschläge, einige davon nicht sofort einleuchtend und einige auch nicht wirklich beweisbar. Man sollte sich daher im Alltag nicht allzusehr Gedanken über seine Akkus machen, denn eine Haltbarkeit von 2, 3 und mehr Jahren ist kein Problem.

Wir fassen die wichtigsten Punkte einmal zusammen:

  • Extreme Kälte sorgt für Akku-Ausfälle.
  • Dritthersteller-Akkus sollten nur aus seriösen Quellen erworben werden. Die Qualität des Akkus ist entscheidend.
  • MemoryEffekt bei modernen Lithium-Ionen-Akkus gibt es nicht.
  • 30-80 Regel schont den Akku, da extremes Entladen und Laden entfällt.
  • Smartphone vom Ladegerät trennen, wenn der Ladevorgang fertig ist.
  • QuickCharge schadet dem Akku grundsätzlich nicht.