Anleitung zum Übertakten eines AMD Athlon XP (Barton)

Die ersten Athlon XP-Prozessoren wurden noch mit dem Palomino-Kern gefertigt, der aber relativ schnell bei einer Taktrate von 1700 Mhz (= 2100+) an das Maximum geraten war. Es war Zeit, einen Wechsel in dem Fertigungsprozess zu vollziehen und AMD veröffentlichte den Thoroughbred-Kern und später auch den Barton-Kern, welche anstatt in der 0,18 µm-Technologie mit 0,13µm großen Transistoren hergestellt wurden. Aus diesem Grund sind auch die Brücken auf dem Prozessor anders als beim Palomino und daher muss man sich vor dem Übertakten vergewissern, welches Modell man denn eigentlich hat. Insgesamt gibt es nämlich drei für das Übertakten unterschiedliche Modelle:


Übersicht aller Athlon-Prozessoren. Die L-Brücken sind unterschiedlich,
daher werden sie unterschiedlich übertaktet.

Die verschiedenen Athlon-Prozessoren kann man unter anderem an der Anordnung der Brücken erkennen. Diese sollte man vorher überprüfen, um das richtige Modell zu identifizieren. Bis auf die unterschiedlichen Brücken entspricht das Übertakten eines AMD Athlon XP mit Barton- bzw. Thoroughbred-Kern dem seiner Vorgänger. Es gibt wieder zwei Möglichkeiten: Erhöhung des Front-Side-Bus und Verändern des Multiplikators. Natürlich ist auch eine Kombination möglich.

Übertakten über den FSB

Wer es bevorzugt, den Prozessor über den FSB zu übertakten, der muss keine Änderungen an der CPU vornehmen und vermeidet so eventuelle Schäden bei der Modifikation der Brücken. Wie man den FSB ändert, ist wieder von Mainboard zu Mainboard verschieden. Manche Mainboards besitzen Jumper (das sind kleine Stecker auf dem Mainboard) bzw. Switch-Schalter, mit denen man den FSB ändern kann. Andere Mainboards ermöglichen es, den FSB im BIOS zu konfigurieren. Bei einigen Boards ist es leider nicht möglich, den FSB zu ändern. Dann muss man zu Software-Programmen wie "Soft FSB" zurückgreifen.

Übertakten durch Ändern des Multiplikators

Wenn Ihr Mainboard eine Änderung des Multiplikators nicht unterstützt oder sie keine Möglichkeit haben, den Multiplikator zu ändern, müssen Sie die L1-Brücken so lassen wie sie sind. Sie können dann den Multiplikator über die L3-Brücken ändern. Dazu müssen sie die einzelnen Verbindungen trennen und anschließend die entsprechenden Brücken miteinander verbinden. Dazu braucht man einen Bleistift und ein scharfes Messer oder besser gleich einen Dremel.

Um die einzelnen Brücken zu trennen, muss man mit einem sehr scharfen Messer bzw. Skalpell oder Dremel, ca. 0,5 - 1 mm tief in die werksseitig verbundenen Brücken einschneiden, um den Kontakt der beiden Punkte zu trennen. Anschließend sollte man die Einschnitte gründlich reinigen (die Brückenpunkte und die Einkerbungen). Hat man die Brücken nun getrennt, folgt der Punkt, die entsprechenden Brücken wieder miteinander zu verbinden. Dazu braucht man Isolierungsmasse wie Silikon (Heißklebepistole) oder hitzebeständigen Keramiklack. Diesen fügt man in die Einkerbungen ein und lässt dieses trocknen. Anschließend kann man den überstehenden Rest entfernen, da dass man wieder eine ebene Fläche erhält.


Die Brücken durchtrennt man am besten mit einem
scharfen Messer oder einem Dremel

Nun kommt der Schritt, wo man die einzelnen Brücken wieder miteinander verbindet. Die erste aber etwas unsichere Methode ist, die Brücken mit einem Bleistift zu verbinden. Dazu muss man die beiden Brückenköpfe sauber mit dem Bleistift verbinden, indem man um die Einkerbungen herumzeichnet. Dabei muss man sehr genau zeichnen, so dass sich keine Verbindungen überschneiden. Eine bessere Lösung ist, wenn man sich für kleines Geld Silberleitlack aus dem Baugeschäft oder Kfz-Zubehör-Handel besorgt und die einzelnen Brückenköpfe damit verbindet. Diese Methode ist sicherer und haltbarer als die Bleistift-Variante. Das Ergebnis könnte anschließend ungefähr so aussehen:


Nachdem man die Brücken durchtrennt hat, verbindet
man die jeweiligen Brücken mit Silberleitlack

Und das war es eigentlich auch schon. Damit Ihr wisst, habe ich Euch eine Liste zusammengestellt, auf der Ihr die einzelnen Multiplikator-Einstellungen ablesen könnt:

Ändern des Multiplikators

Um den Multiplikator eines Athlon XP-Prozessors mit Barton- oder Thoruoghbred-Kern zu ändern, muss man die L3-Brücken ändern. Dazu schaut Euch folgende Tabelle und vergleicht die Werte mit der oben abgebildeten Zeichnung. Die Zeichnung zeigt eine Abbildung eines Athlon XP-Prozessors und auf den Brücken befinden sich Ziffern, die Ihr in der Tabelle wieder findet. Jetzt müsst Ihr lediglich die Brücken miteinander verbinden, wo sich ein Kreuz befindet. Wenn Ihr beispielsweise einen Multiplikator von 3,0 einstellen wollt, müsst Ihr bei der L3-Brücke den Pin "1" durchtrennen und die Pins "2", "3", "4" und "5" miteinander verbinden.

    1 2 3 4 5
3   X X X X
4   X X   X
5 X X   X X
5,5 X X   X  
6 X X     X
6,5 X X      
7 X   X X X
7,5 X   X X  
8 X   X   X
8,5 X   X    
9 X     X X
9,5 X     X  
10 X       X
10,5 X        
11 X X X X X
11,5 X X X X X
12 X X X   X
12,5 X X X    
13   X   X X
13,5   X   X  
14   X     X
14,5   X      
15     X X X
15,5     X X  
16     X   X
16,5     X    
17       X X
17,5       X  
18**         X
18,5**          
19   X X X  
20   X X    
21   X      
22     X X  
23         X
**Reserved

Nachdem Ihr Euer System ausgereizt habt, es also zu Instabilitäten kommt, könnt Ihr noch versuchen, dieses mit einem höheren V-Core auszugleichen. Doch dabei solltet Ihr immer vorsichtig sein. Denn ein höherer V-Core führt automatisch zu einer höheren Hitzeentwicklung.

Anmerkung: Bestimmte Modelle erlauben keine Änderung am Multi

Ende des Jahres 2003 hat sich AMD dazu entschlossen, genau wie bei den Intel-Prozessoren den Multiplikator fest zu verdrahten. Betroffen sind nahezu alle AMD Socket A Prozessoren ab der Herstellungswoche 43 vom Jahr 2003, denn ab diesem Zeitpunkt wurden auch die neuen Layouts (mit den auf der CPU erkennbaren Leiterbahnen) bei AMD eingeführt.


Leider hat man noch keine Möglichkeit gefunden, wie man bei diesen Prozessoren den Takt ändern kann. Daher muss man den Weg über den FSB gehen und so das Maximum aus der CPU kitzeln.

V-Core AMD Athlon XP


V-Core L11
    1 2 3 4 5
1,100 V         X
1,125 V       X  
1,150 V       X X
1,175 V     X    
1,200 V     X   X
1,250 V     X X  
1,250 V     X X X
1,275 V   X      
1,300 V   X     X
1,325 V   X   X  
1,350 V   X   X X
1,375 V   X X    
1,400 V   X X   X
1,425 V   X X X  
1,450 V   X X X X
1,475 V X        
1,500 V X       X
1,525 V X     X  
1,550 V X     X X
1,575 V X   X    
1,600 V X   X   X
1,625 V X   X X  
1,650 V X   X X X
1,675 V X X      
1,700 V X X     X
1,725 V X X   X  
1,750 V X X   X X
1,775 V X X X    
1,800 V X X X   X
1,825 V X X X X  
1,850 V X X X X X

Übertakten bis ans Maximum

Zwar kann man nicht jede CPU gleich gut übertakten, aber um einen Eindruck zu bekommen, wie weit man einen bestimmten Prozessor übertakten kann, könnt Ihr mal einen Blick auf die "Hall Of Fame der Übertaktungen" werfen. Wenn Ihr es nicht schafft, Euern Prozessor so weit zu übertakten, wie man anhand einiger Beispiele in dieser Datenbank sehen kann, sollte Euch nicht beunruhigen, denn diese Werte sind Maximalwerte, die nur durch eine optimale Kühlung und Hardware möglich sind.