infos zur Radeon X600/X300: Bilder, Benchmarks, Technische Daten

Der Sommer 2004 war die Zeit des PCI-Express-Grafikkarten-Busses. Über keine andere Sache wurde so viel diskutiert wie über den neuen Grafikkartenstandard, der laut der Marketingabteilungen der Hersteller neue Leistungsrekorde brechen soll.

Doch man sollte diese Aussagen mit etwas Abstand betrachten, denn die Übertragungsgeschwindigkeit über den Grafikkartenbus ist nur ein kleiner Faktor für die gesamte Performance einer Grafikkarte. Die Geschwindigkeit des Grafikbusses macht sich erst dann spürbar bemerkbar, wenn ein Spiel so viele Texturen, etc beinhaltet, dass der Speicher der Grafikkarte voll ist und diese dann gezwungen ist, Daten auf den Arbeitsspeichers des Computers zu verlagern. Da der Arbeitsspeicher aber sehr viel langsamer als der Grafikspeicher ist, kommt es gezwungener Maßen zu Leistungseinbußen.

Mit AGP und PCI-Express beschleunigt man zwar die Übertragungsgeschwindikeiten (bei AGP8x beispielsweise 8 mal so schnell), trotzdem ist das Speichern auf in den Grafikkartenspeicher immer noch deutlich schneller.

PCI-Express überträgt die ausgelagerten Daten mit 16facher Geschwindigkeit und ist damit thoretisch doppelt so schnell wie AGP8x. Das besondere an PCI-Express ist der neue Anschluss, so dass sich dieser physisch von dem alten AGP-Port unterscheidet. ATI nutzt nun den PCI-Express-Port, um einige Modelle, die es bereits schon seit Monaten gibt, unter einem neuen Namen zu vermarkten und zum Schluss dieser Serien noch einmal kräftig daran zu verdienen. Aus diesem Grund erscheinen nun bei vielen Herstellern Modelle mit der Bezeichnung Radeon X300 und Radeon X600. Diese Karten sind aber keine Neuentwicklungen, sondern lediglich Radeon 9600-Grafikkarten mit einem PCI-Express-Interface.

Lediglich PCI-Express ist ein Grund
für ATI, neue Produktnamen zu entwerfen.

 

Deswegen sollte man die X300- und X600-Serie nicht mit der aktuellen X800-Serie vergleichen. Letztere erreicht fast 100% Mehrleistung einer High-End-Grafikkarte einer Radeon 9800 XT. Die X300- und X600-Serie ist lediglich eine minimal optimierte Radeon 9600!

ATI Radeon X300 (RV370)

Den Radeon X300 gibt es in zwei Ausführungen: Zum einen als X300 und zum anderen als X300 SE. Beide Modelle ersetzen den Radeon 9600 und den Radeon 9600 SE, denn man erkennt die typischen technischen Eigenschaften in diesen beiden Modellen wieder. Der Radeon X300 besitzt ein 128 Bit Speicherinterface und wird mit 325 (Chip) und 400 Mhz DDR (Speicher) getaktet. Die gleichen Werte sind bereits von der "normalen" Radeon 9600 bekannt. Lediglich das PCI-Express-Interface unterscheidet die X300 von dem Vorgänger.

Für absolute Sparfüchse hatte ATI den Radeon 9600 SE eingeführt, eine abgespeckte Variante des Radeon 9600. Der Nachfolger für dieses Modell ist nun der Radeon X300 SE. Auch hier sind die Daten gleich: Taktung von 325 Mhz (Chip) und 400 Mhz DDR (Speicher) und ein 64 Bit-Speicherinterface. Die Radeon 9600 SE war bereits bei ihrer Veröffentlichung nicht besonders gut angekommen, weil gerade das 64 Bit-Speicherinterface die Karte ziemlich in ihrer Leistungsfähigkeit einschränkte und diese nur bedingt spieletauglich war.

Neu bei der Raseon X300 ist das Herstellungsverfahren in 0,11µm. Dies ist auh der Grund dafür, dass der Codename des Chips nicht mehr RV360 sondern RV370 lautet. Durch die kleineren Strukturen könnte ATI die Taktraten des Chips deutlich höher festlegen, macht dies aber nicht. So werden die X300-Karten passiv gekühlt und produzieren nicht so viel Abwärme wie die aktuellen High-End-Karten aus dem Hause ATI.

ATI Radeon X600 (RV380)

Auch die Radeon X600 gibt es in zwei Varianten, nämlich die X600 Pro und X600 XT. Wie bereits zu Radeon 9600-Zeiten bekamen 3D-Spieler erst ab einer Radeon 9600 Pro so richtig Freude am Spielen. Die normale Radeon 9600 war zwar technisch gesehen gut ausgerüstet, doch waren die Taktraten einfach zu niedrig. Die Radeon 9600 Pro und XT waren im Prinzip nur deutlich höher getaktete Radeon 9600-Karten, brachten dafür aber spürbar mehr Leistung mit sich. und wie man schon anhand der Namensanhängsel Pro und XT schließen kann, ersetzt die X600-Serie genau diese beiden Radeon 9600-Modelle. Die Taktraten der X600er Karten entsprechen denen der Vorgänger und lediglich der Grafikkartenbus hat sich geändert.

Die Radeon X600 Pro wird mit einem Chiptakt von 400 Mhz betrieben. Der DDR-Speicher wird ebenfalls wie bei der Radeon 9600 Pro mit 600 Mhz DDR getaktet. Auch die restlichen technischen Features (0,13µm-Technologie, 4 Pixelpipelines, 128 Bit Speicherinterface, etc) entsprechen dem Vorgänger und lediglich der PCI-Express-Bus ist anders.

Die Radeon X600 XT wird nochmals deutlich höher getaktet. Der Chiptakt beträgt 500 Mhz und der Speicher wird mit 640 Mhz getaktet. Diese Taktraten sind letztendlich die ausschlaggebenden Faktoren für eine deutlich höhere Leistungsfähigkeit im Vergleich zu einer X300.

Technischer Vergleich

Radeon
X300SE
Radeon
X300
Radeon
X600 Pro
Radeon
X600XT
Radeon
X800 Pro
Radeon
X800XT
Radeon
X800XT-PE
Codename RV370 RV380 R423
Herstellung 0,11µm 0,13µm 0,13µm
Transistoren 75 Millionen 75 Millionen 180 Millionen
Technologie-Klasse DirectX9 Shader 2.0 DirectX9 Shader 2.0 DirectX9 Shader 2.0
Geometrie-Pipelines 2 2 6
Pixel-Pipelines 4 4 4 4 12 16 16
Chiptakt 325 MHz 325 MHz 400 MHz 500 MHz 475 MHz 500 MHz 520 MHz
Speichertakt 400 MHz 400 MHz 600 MHz 640 MHz 900 MHz 1000 MHz 1120 MHz
Speicheranbindung 64 Bit 128 Bit 128 Bit 128 Bit 256 Bit 256 Bit 256 Bit
übliche Speicherausstattung 64/128/256 MB DDR 64/128 MB DDR 128/256 MB DDR 128/256 MB DDR 256 MB GDDR3 256 MB GDDR3 256 MB GDDR3

Allein die nackten Zahlen zeigen, dass die X300- und X600-Karten nichts mit der neu eingeführten High-End-Klasse X800 zu tun hat. Da diese Karten auf dem Radeon 9600 basieren, welcher als Mainstream-Chip (Massenmarkt) gedacht war, kann man die X300- und X600-Karten getrost als Einstiegskarten bewerten. Die Ansprüche aktueller 3D-Spiele (Doom III, FarCry, Half Life 2) sind einfach zu groß geworden, dass man mit einer solchen Karte noch zufrieden sein kann. Wer es aber nicht scheut, ein Spiel in einer 800er Auflösung zu spielen, der wird aber mit einer solchen Karte noch glücklich sein können.