Infos zur ATI-Rage 128 Pro: Bilder, Benchmarks, Technische Daten

ATI Rage 128 LogoAls ATI den Rage 128 im Dezember 1998 veröffentlichte, war ATI führend im Bereich von Arbeitsstationen und Home-Office-Systemen. Die Grafikchips glänzten weniger durch Leistungsfähigkeit im 3D-Bereich, sondern mehr machte ATI diesen Nachteil durch Kundensupport, Stabilität der Produkte und Zuverlässigkeit in der Lieferung wett. Außerdem waren die Grafikchips sehr individuell einsetzbar, so dass im Jahr 1998 rund 60% der Onboard-Grafikchips, die direkt auf dem Mainboard verpflanzt sind, aus dem Hause ATI kamen. Doch mit dem Rage 128 kam ein High-End-Grafikchip auf dem Markt, der dem TNT-Chip von Nvidia gehörig Paroli bieten sollte.

ATI Rage 128 VGA

Wie auch bei Nvidia konnten die Techniker nicht die Vorankündigungen einhalten. Sollte der Rage 128 anfangs noch mit 125 Mhz getaktet werden, welches zu der Zeit sehr viel war, wurden die Grafikkarten letztendlich doch nur mit 103 Mhz getaktet. Obwohl man von der 0,35 auf die 0,25µm-Technologie wechseln konnte, konnte ATI den Chip nicht sehr viel schneller takten als Nvidia's TNT, der noch in der 0,35µm-Technologie hergestellt wurde.

Ansonsten gleichen sich beide Chips sehr ähnlich. Beide besitzen zwei Pixel-Pipelines, so dass eine theoretische Füll-Rate von 180 MPixel/s möglich waren. Die 3D-Leistung des Rage 128 liegt ebenfalls auf der eines TNT, obwohl Grafikkarten mit einem Rage 128-Chip mit 32 MB doppelt so viel Grafikspeicher besitzen.

Ein weiterer Pluspunkt für den Rage 128-Chip war die verbesserte DVD-Unterstützung. 85% der Mpeg 2-Dekodierung wurden nun mittlerweile auf dem Grafikchip berechnet, so dass auch Systeme mit einem schwachen Hauptprozessor ruckelfrei DVD's abspielen konnten.

Ein Problem aller 3D-Grafikkarten zu der Zeit war die entstehende Hitzeentwicklung. Um Kosten zu sparen, oder vielleicht weil es einfach nicht Gang und Gebe war, verzichteten die Grafikhersteller auf Passivkühler, gar nicht zu reden von Aktivkühler. So wurden bei dem Rage 128 unter Volllast Temperaturen bis zu 91°C nachgewiesen.

Wie schon erwähnt liegt die Leistung des Rage 128 bei der des TNT. Doch in einem Punkt hatte ATI mächtig zugelegt: Wenn man Spiele in 32 Bit spielte, waren bei den anderen Grafikchips Leistungseinbußen bis zu 40% zu verbuchen, also die Framerate sank stark in den Keller. Nicht so beim Rage 128. Hier sank die Leistung nur um ca. 10% und somit waren Spiele auch in 32 Bit Farbtiefe spielbar. Ein neues Highlight in der Grafikkarten-Szene.

ATI Rage 128 Pro

ATI arbeitete intensiv an der Überarbeitung des Rage 128. Innerhalb von vier Monaten wurde die komplette Geometrie-Einheit verbessert, so dass der Rage 128 Pro in der Lage war, 8 Millionen Dreiecke in der Sekunde zu berechnen, was zu der Zeit Spitze war. Es gab zwei Versionen des Rage 128 Pro: Die "GL"- und "VR"-Variante, welche sich in der Speicheranbindung unterschieden. Die schnellere GL-Version unterstützt eine 128 Bit Speicheranbindung, die abgespeckte VR-Version nur eine 64 Bit Speicheranbindung. Diese 64 Bit-Speicheranbindung ist der Grund für einen geringeren Speicherdurchsatz und sinkt somit die Frameraten in 3D-Spielen.

ATI Rage 128


Neben dem 100% MPEG-2 Decoding bot ATI erstmals die Möglichkeit, HDTV Videos mit einer Auflösung von 1920x1152 wiederzugeben. Außerdem unterstützte der Rage 128 Pro erstmals den schneller AGP-Bus, so dass Texturen, die im Grafikspeicher keinen Platz mehr finden, schneller auf den Hauptspeicher ausgelagert werden konnten. Auch die steigerte die Leistungsfähigkeit enorm.

Des Weiteren wurde der Takt erhöht. So wurde der Rage 128 Pro nun anstatt mit 103 nun mit 125 Mhz getaktet. Der Speichertakt lag je nach Modell zwischen 110 und 143 Mhz. Da das Vorgängermodell bereits mit Hitzeproblemen zu kämpfen hatte, verpasste ATI dem neuen Modell einen Passivkühler, um die erhöhte Taktrate ermöglichen zu können.

Eingesetzt wurde der Rage 128 Pro zum Beispiel in der ATI Xpert 2000 (Pro), Rage Fury und Rage Fury Maxx. Bei letzterem Modell wurden sogar gleich zwei Rage 128 Pro-Grafikchips verbaut, die parallel zusammenarbeiten. Dieses war eine Neuheit in der Grafikkartenszene. Es gab zwar mit dem VooDoo 2 ebenfalls ein solches Grafiksystem mit zwei Grafikchips, doch musste man gleich zwei VooDoo 2-Karten einbauen, die mit einem Kabel verbunden waren. Bei diesem Versuch gab es aber sehr häufig Bildfehler, da beim Rendern eines Frames (3D-Bild) beide Grafikchips zeitgleich arbeiteten und die Synchronisation nie richtig klappte. Es waren teilweise horizontale Linien zu erkennen.

Bei der Rage Fury Pro hatte ATI ein neues Vorgehen eingeführt. Jeder der zwei Grafikchips auf der Grafikkarte war für ein Frame zuständig. So konnten zwei Bilder gleichzeitig bzw. vorausschauend gerendert werden, welches natürlich einen enormen Leistungsschub mit sich brachte. Die Rage Fury Maxx wurde mit 64 MB Grafikspeicher ausgeliefert, wobei jeder Grafikchip 32 MB verwaltete.

Technische Daten des Rage 128 Pro

  • Erschienen im April 1999
  • 32-bit Auflösung bis zu 1920x1200 bei 85 Hz
  • Bis 32 MB Videospeicher
  • 32-Bit Rendering
  • 32-Bit Z-Buffer
  • Hardware Geometrie Setup
  • 2 Rendering Units, Multi-Texturing
  • Komprimierte Texturen
  • Full-Scene Edge Anti-Aliasing
  • Bump-Mapping
  • Anisotropische Filterung
  • Exzellente Videofeatures
  • LCD Support bis 1600x1200
  • DVD/MPEG-2 Support
  • Video-Capturing und TV-Out
  • OpenGL ICD
  • AGP 4x/2x Support
  • AMD 3Dnow! und Intel PIII Streaming SIMD Support

Benchmarks

Anhand dieses relativ wenig aussagenden Vergleich kann man erkennen, dass die ATI Rage-Modelle stark von der CPU abhängig. Im Gegensatz zum TNT fällt die Leistungsfähigkeit stark, sobald diese in einem System mit einem relativ schwachen Prozessor agieren müssen. Außerdem waren Grafikkarten mir einem Rage 128-Chip nicht für Systeme mit einem AMD K6-Prozessor optimiert. Die Grafikchips von Nvidia und 3dfx fallen zwar auch in der Leistungsfähigkeit, aber nicht so stark wie ATI's Rage 128. Vielleicht war AMD's 3DNow!-Technologie noch nicht so weit verbreitet. Außerdem müsste man noch wissen, wie sich die Testteilnehmer bei einer Farbtiefe von 32 Bit schlagen, wo der Rage 128 sicherlich aufholen würde.