Anleitung zum Übertakten eines Athlon K7 (Thunderbird)

Das Übertakten eines Athlon "Thunderbird"- und Duron-Prozessors ist identisch, denn beide Prozessoren sind von der Architektur bis auf wenige Unterschiede nahezu gleich. Doch sollte man eines beachten: wer einen Duron-Prozessor besitzt, muss darauf achten, dass die L1-Brücke 4 Pins besitzt. Ansonsten muss man die Anleitung des Athlon XP benutzen. Auch beim Athlon-Prozessor muss man Acht geben, denn AMD hat lange an dem Produktnamen Athlon festgehalten, so dass es mittlerweile eine stolze Anzahl an verschiedenen Athlon-Modellen gibt, welche sich auch unterschiedlich übertakten lassen. Der Athlon "Thunderbird" war der erste Athlon-Prozessor für den Sockel A und es gab ihn den Taktraten von 650 bis 1400 Mhz, sowohl mit einem Systemtakt für 200 und 266 Mhz.

Um einen AMD Athlon "Thunderbird" bzw. Duron zu übertakten, gibt es wieder zwei Möglichkeiten: Erhöhung des Front-Side-Bus (FSB) und Verändern des Multiplikators. Natürlich ist auch eine Kombination möglich. Der AMD Duron-Prozessor ist sehr beliebt bei den Overclockern, da er sich sehr gut übertakten lässt. Keine andere CPU lässt Übertaktungen bis über 50% zu, der Duron teilweise schon. So war es keine Seltenheit, dass man mit guter Kühlung einen AMD Duron 600 auf über 1000 Mhz getaktet hatte. Mit einem gleich getakteten Intel Pentium III konnte man glücklich sein, wenn man ihn über 700 Mhz stabil zum Laufen bringen konnte.

Codierung eines Athlons und Durons (Thunderbird)


Übersicht aller Athlon-Prozessoren. Die L-Brücken sind unterschiedlich,
daher werden sie unterschiedlich übertaktet.

Übertakten über den FSB

Wer es bevorzugt, den Prozessor über den FSB zu übertakten, der muss keine Änderungen an der CPU vornehmen und vermeidet so eventuelle Schäden bei der Modifikation der Brücken. Wie man den FSB ändert, ist wieder von Mainboard zu Mainboard verschieden. Manche Mainboards besitzen Jumper (das sind kleine Stecker auf dem Mainboard) bzw. Switch-Schalter, mit denen man den FSB ändern kann. Andere Mainboards ermöglichen es, den FSB im BIOS zu konfigurieren. Bei einigen Boards ist es leider nicht möglich, den FSB zu ändern. Dann muss man zu Software-Programmen wie "Soft FSB" zurückgreifen.

Übertakten durch Ändern des Multiplikators

Bevor man damit beginnt, sich die einzelnen Verbindungen für die Brücken herauszusuchen, sollte man in seinem BIOS überprüfen, ob man nicht den Multiplikator dort ändern kann. Wenn dies Euer BIOS ermöglicht, habt Ihr Euch sicherlich schon gewundert, warum der Prozessortakt nicht geändert wird, wenn man Einstellungen am Multiplikator vorgenommen hat, und der Rechner weiterhin im Standard-Takt bootet. Das liegt daran, dass man die L1-Brücken noch nicht miteinander verbunden hat und somit der Prozessor weiterhin für die Taktung zuständig ist. Jetzt kann man mit einem einfachen Bleistift oder mit speziellem Leitgummi die einzelnen L1-Brücken miteinander verbinden, so dass man jetzt den Multiplikator bequem im BIOS verstellen kann.

Wer die Möglichkeit hat, den Multiplikator im BIOS zu ändern, der verbindet die L1-Brücken mit dem Bleistift-Trick oder Leitgummi.

Wenn Ihr Mainboard eine Änderung des Multiplikators nicht unterstützt oder sie keine Möglichkeit haben, den Multiplikator zu ändern, müssen Sie die L1-Brücken so lassen wie sie sind. Sie können dann den Multiplikator über die Brücken L3, L4 und L6 ändern. Dazu müssen sie die einzelnen Verbindungen trennen und anschließend die entsprechenden Brücken miteinander verbinden. Dazu braucht man einen Bleistift und ein scharfes Messer oder besser gleich einen Dremel. Die L1-Brücken müssen unbedingt offen bleiben, erst dann reagiert die CPU auf veränderte Multiplikator-Einstellungen.

Um die einzelnen Brücken zu trennen, muss man mit einem sehr scharfen Messer bzw. Skalpell oder Dremel, ca. 0,5 - 1 mm tief in die werksseitig verbundenen Brücken einschneiden, um den Kontakt der beiden Punkte zu trennen. Anschließend sollte man die Einschnitte gründlich reinigen (die Brückenpunkte und die Einkerbungen). Hat man die Brücken nun getrennt, folgt der Punkt, die entsprechenden Brücken wieder miteinander zu verbinden. Dazu braucht man Isolierungsmasse wie Silikon (Heißklebepistole) oder hitzebeständigen Keramiklack. Diesen fügt man in die Einkerbungen ein und lässt dieses trocknen. Anschließend kann man den überstehenden Rest entfernen, da dass man wieder eine ebene Fläche erhält.


Die Brücken durchtrennt man am besten mit einem
scharfen Messer oder einem Dremel

Nun kommt der Schritt, wo man die einzelnen Brücken wieder miteinander verbindet. Die erste aber etwas unsichere Methode ist, die Brücken mit einem Bleistift zu verbinden. Dazu muss man die beiden Brückenköpfe sauber mit dem Bleistift verbinden, indem man um die Einkerbungen herumzeichnet. Dabei muss man sehr genau zeichnen, so dass sich keine Verbindungen überschneiden. Eine bessere Lösung ist, wenn man sich für kleines Geld Silberleitlack aus dem Baugeschäft oder Kfz-Zubehör-Handel besorgt und die einzelnen Brückenköpfe damit verbindet. Diese Methode ist sicherer und haltbarer als die Bleistift-Variante. Das Ergebnis könnte anschließend ungefähr so aussehen:


Nachdem man die Brücken durchtrennt hat, verbindet
man die jeweiligen Brücken mit Silberleitlack

Und das war es eigentlich auch schon. Damit Ihr wisst, habe ich Euch eine Liste zusammengestellt, auf der Ihr die einzelnen Multiplikator-Einstellungen ablesen könnt:

Multiplikator beim Thunderbird / Duron

Um den Multiplikator eines Duron- bzw. Athlon "Thunderbird"-Prozessors zu ändern, muss man die L3-, L4- und L6-Brücken ändern. Dazu schaut Euch folgende Tabelle und vergleicht die Werte mit der oben abgebildeten Zeichnung. Die Zeichnung zeigt eine Abbildung eines Duron- bzw. Athlon-Prozessors und auf den Brücken befinden sich Ziffern, die Ihr in der Tabelle wieder findet. Jetzt müsst Ihr lediglich die Brücken miteinander verbinden, wo sich ein Kreuz befindet. Wenn Ihr beispielsweise einen Multiplikator von 5,0 einstellen wollt, müsst Ihr bei der L3-Brücke die Brücken "1" und "3" durchtrennen und die Brücken "2" und "4" miteinander verbinden.

Multi L3 L4 L6
1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4
5,0 X X X X X X X
5,5 X X X X X X
6,0 X X X X X X
6,5 X X X X X
7,0 X X X X X X X
7,5 X X X X X X
8,0 X X X X X X
8,5 X X X X X
9,0 X X X X X X
9,5 X X X X X
10,0 X X X X X
10,5 X X X X
11,0 X X X X X X X X
11,5 X X X X X X X
12,0 X X X X X X X
12,5 X X X X X X

Nachdem Ihr Euer System ausgereizt habt, es also zu Instabilitäten kommt, könnt Ihr noch versuchen, dieses mit einem höheren V-Core auszugleichen. Doch dabei solltet Ihr immer vorsichtig sein. Denn ein höherer V-Core führt automatisch zu einer höheren Hitzeentwicklung.

V-Core bei einem Thunderbird / Duron

Wenn Ihr die Kernspannung ändern möchtet, geht einfach so vor, wie Ihr es bereits beim Multiplikator getan habt. Such Euch aus der Tabelle die gewünschte V-Core aus und schaut in der Zeichnung, wie Ihr die Brücken setzen müsst.

V-Core L7
  1 2 3 4 5
1,475 V X        
1,500 V X       X
1,525 V X     X  
1,550 V X     X X
1,575 V X   X    
1,600 V X   X   X
1,625 V X   X X  
1,650 V X   X X X
1,675 V X X      
1,700 V X X     X
1,725 V X X   X  
1,750 V X X   X X
1,775 V X X X    
1,800 V X X X   X
1,825 V X X X X  
1,850 V X X X X X

Übertakten bis ans Maximum

Zwar kann man nicht jede CPU gleich gut übertakten, aber um einen Eindruck zu bekommen, wie weit man einen bestimmten Prozessor übertakten kann, könnt Ihr mal einen Blick auf die "Hall Of Fame der Übertaktungen" werfen. Wenn Ihr es nicht schafft, Euern Prozessor so weit zu übertakten, wie man anhand einiger Beispiele in dieser Datenbank sehen kann, sollte Euch nicht beunruhigen, denn diese Werte sind Maximalwerte, die nur durch eine optimale Kühlung und Hardware möglich sind.